Der Neuankömmling ist endlich da! Das Baby ist klein, niedlich und es schreit. Viel! Die Schwiegermutter weiß es sofort, „Na klar! Ein Schreibaby. “. Was ist ein Schreibaby? Was bedeutet das? Ich habe ein wenig recherchiert, um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. Vor allem aber, wie man damit umgeht.

Was ist ein Schreibaby? Experten definieren ein Schreibaby anhand der Dreier-Regel. Wenn Kinder mindestens drei Wochen lang an drei Tagen in der Woche drei oder mehr Stunden schreien, spricht man von einem Schreibaby. Dieses „Exzessive Schreien im Säuglingsalter“ kommt in den ersten drei Monaten bei rund einem Drittel der Neugeborenen vor. Diese Phase dauert dann in der Regel bis zum vierten oder auch sechsten Monat, vereinzelt auch länger. Die Ursachen sind noch nicht abschließend geklärt.

Wann habe ich ein Schreibaby?

Jedes Neugeborene weint. Es ist weitgehend hilflos und in einer komplett neuen Umgebung außerhalb des Mutterleibs. Mangels Sprache ist Schreien zudem die einzige Kommunikationsform um sich hörbar bemerkbar zu machen. Das bedeutet dann auch, dass Schreien normal ist. Ein bis zwei Stunden am Tag sind nicht ungewöhnlich. Hinzu kommen dann auch noch die vielfältigen Gründe warum ein Baby schreien kann. Werden diese durch die frisch gebackenen Eltern nicht erkannt bspw. die volle Windel, weil man doch grade gewickelt hatte, dann kann auch mal länger geschrien werden. In diesen Fällen spricht man dann in der Regel nicht von einem Schreibaby.

Symptome und die Dreier-Regel

Wie eingangs beschrieben ziehen Fachleute zur Beurteilung, ob es sich tatsächlich um ein Schreibaby handelt, die Dreier-Regel heran. Diese besagt, dass es sich dann um Schreibaby handelt, wenn es über einen Zeitraum von drei Wochen an drei Tagen der Woche mehr als drei Stunden schreit.

Doch alleine das Schreien und dessen Dauer sind noch nicht zwingend ausschlaggebend. Wie im einführenden Beispiel ersichtlich geworden, kann es auch zu häufigem Schreien kommen, wenn Bedürfnisse nicht erkannt oder fehlinterpretiert werden. Daher gibt es noch eine Reihe weiterer Eigenschaften, die Babys aufweisen, wenn es sich um ein Schreibaby handelt.

  • Überdurchschnittlich lange Schreiphasen
  • Kein erkennbarer Grund
  • Zeitlich meist in den Abendstunden
  • Schwer bis gar nicht zu beruhigen (kein zu erfüllendes Bedürfnis feststellbar)
  • Sehr unruhig und leicht reizbar
  • Krampfartiges Schreiverhalten (Fäustschen geballt, versteifter, verbogener Körper, Atmenaussetzer und ein rotes Anlaufen des Kopfes)
  • Oft Probleme bei Stillen oder Füttern
  • Unruhiger Schlaf und schlechtes Einschlafverhalten

All diese Faktoren in Kombination mit der Dreier-Regel können darauf hindeuten, dass man ein Schreibaby hat. Doch Eigendiagnosen sind immer mit gewisser Vorsicht zu genießen. Insbesondere bringt einem die Erkenntnis ja nicht wirklich weiter und man sollte in jedem Fall vom Kinderarzt abklären lassen, ob es sich wirklich um dieses temporäre Phänomen handelt und nicht bspw. Eine nicht erkannte Mittelohrentzündung oder bspw. Eine Allergie der „nicht erkennbare Grund“ für das andauernde Schreien ist.
Auftreten und Dauer

Das Phänomen des exzessiven Schreiens tritt meist ab der zweiten Lebenswoche auf und dauert dann bis zum dritten Lebensmonat, manchmal auch bis zum sechsten Lebensmonat oder länger. Man spricht in diesem Zusammenhang bei Jungen auch oft von Dreimonatskoliken, auch wenn sich die Schreiphasen bzw. Schreibabys nicht auf Jungs beschränken.

Auch wenn es bei Schreibabys nicht viel gibt, was man dagegen tun kann, sollte man sich ein wenig mit den möglichen Ursachen beschäftigen. Eventuell kann man auf diese Weise zumindest in begrenztem Umfang Abhilfe schaffen.

Warum wird ein Baby ein Schreibaby? – Ursachen

Die Ursachen für das exzessive Schreien sind vielfältig und leider noch nicht abschliessend wissenschaftlich geklärt. Experten sind sich zwar weitgehend einig, dass es eine Reihe von Risikofaktoren gibt, die die Entwicklung eines Schreibabys begünstigen können, jedoch nicht zwingend müssen. Leider bedeutet das Ausschliessen dieser Faktoren somit nicht zwangsläufig, dass man ein Schreibaby zu 100%, da das Phänomen aus in Abwesenheit dieser Faktoren bereits aufgetreten ist.

Ursachen vor der Geburt

  • Stressige Schwangerschaft – viele Forschungen weisen darauf hin, dass eine stressige oder anstrengende Schwangerschaft die Wahrscheinlichkeit eines Schreibabys erhöht
  • Drogen- oder Medikamentenmissbrauch während der Schwangerschaft – Drogen und Medikamentenkonsum erhöhen ebenso die Wahrscheinlichkeit ein Schreibaby zu bekommen. So zeigte sich unter anderem, dass rauchende Mütter eine ums 1,7-fache höhere Wahrscheinlichkeit haben ein Schreibaby zu bekommen.
  • Ungesunde Ernährung während der Schwangerschaft – die sogenannten Dreimonatskoliken werden auf ein Ungleichgewicht der Darmflora bei Säugling zurückgeführt. Dieses Ungleichgewicht kann durch eine ungesunde Ernährung der Mutter begünstigt werden, woran aber zwischenzeitlich unter Experten gezweifelt wird.

Ursachen nach der Geburt

  • Kiss-Syndrom – eine leichte Fehlstellung der Wirbelsäule und des Kopfes wird auch als Kiss-Syndrom bezeichnet. Ein Zusammenhang zum Schreien ist zwar nicht vollends nachgewiesen, aber eine Behandlung durch einen Osteopathen gut möglich. Ggf. kann es helfen, muss es aber nicht.
  • Reizüberflutung – die wohl am weitesten verbreitete Ursache für grundloses Schreien bei allen Babys, nicht nur Schreibabys, ist die Reizüberflutung. Für Neugeborene sind alle äußeren Eindrücke und Reize neu und jedes Baby verarbeitet sie unterschiedlich. Schreibabys gelten als besonders leicht reizbar, schlechte Schläfer und haben Schwierigkeit bei der Verarbeitung von täglichen Reizen. Daher kommt es bei ihnen schnell zu einer Reizüberflutung, die in Unruhe und Schreien resultiert.

Ursachen für viel Geschrei ohne ein Schreibaby zu haben:

  • Allergien – eine Nahrungsmittelunverträglichkeit kann zu Schmerzen beim Baby führen, ohne dass sich offensichtlich sichtbare Symptome zeigen. Hier kann der Kinderarzt Klärung schaffen.
  • Krankheitsbedingte Ursachen – auf den ersten Blick grundloses Schreien, kann krankheitsbedingte Ursachen haben. Eine Mittelohrentzündung oder ähnliches ist äußerst schmerzhaft und nicht einfach ersichtlich. Das Baby hat nur das Schreien als Kommunikationsmittel. Auch hier hilft der Besuch beim Kinderarzt.
  • Blähungen – in der Regel kein Grund für ein Schreibaby, der aber dennoch zu viel Geschrei und Unruhe führen kann
  • Wachstumsschübe – sind auch weniger ein Grund für Schreibabys, sollten aber als möglich Ursache für Geschrei beachtet werden

Abklären der möglichen Ursachen kann bereits helfen, sofern sich dabei eine behandelbare Ursache feststellen lässt. Ansonsten ist man insofern schlauer, als man weiß, es liegt nichts Ernsthaftes vor und man sich einfach in einer vorübergehenden Phase befindet, die es durchzustehen gilt.

Was kann man tun, wenn man ein Schreibaby hat?

Jetzt kennen wir Faktoren, die bestimmen ob und wann man ein Schreibaby hat. Doch was bringt einem diese Erkenntnis. Nur weil dem Phänomen eine Bezeichnung gibt, verbessert sich die Situation Jan nicht.

Hat man mögliche andere, behandelbare Ursachen ausgeschlossen, so gibt es auch für Schreibabys bzw. diese Phase in der Entwicklung des Babys einiges was man tun kann, um diese Phase abzuändern und gut zu überstehen.

  • Sorge für ruhige, strukturierte Tagesabläufe. Feste Essens- und Schlafzeiten geben dem Baby und Dir Sicherheit und machen den Tag vorhersehbar.
  • Auch wenn Schunkeln und Herumtragen viele Babys beruhigt, sollte man es bei Schreibabys möglichst ruhig angehen (leicht rhythmisch und schaukelnd). Schreibabys können sehr empfindlich gegenüber Reizen sein und so kann man es mit zu viel Bewegung überreizen.
  • Auch wenn sich vielen Eltern beim Pucken die Nackenhaare aufstellen, kann diese Technik bei Schreibabys gut helfen. Die eigene Abneigung gegen Enge sollte dabei nicht auf das Kind übertragen werden. Die zeitliche Nähe zur Geburt resultiert bei Neugeborenen darin, dass ihnen die künstliche Enge Sicherheit in der neuen Umgebung bieten kann.
  • Beruhigungsversuche nach einer gewissen Zeit (ca. fünf bis 10 Minuten) mit einer gezielten Pause unterbrechen. Manchmal möchte das Baby auch einfach in Ruhe gelassen werden. Zusätzlich überträgt sich die Unruhe der Eltern auch auf das Kind. Gib ihm Zeit, vielleicht schafft es sich selbst zu beruhigen.
  • Lass den ruhigeren Elternteil ran. Derjenige der schon Stunden versucht, den kleinen Schreizwerg zu beruhigen und nicht mehr weiter weiß ist oft selbst gestresst und aufgewühlt. Babys sind sehr feinfühlig und nehmen sowohl Herzschlag als auch veränderten (Stress-)Geruch wahr. Deshalb kann oft ein anderer das Baby wesentlich schneller beruhigen, als die angespannte Bezugsperson.
  • Summtöne und leises Sprechen kann auch beruhigen wirken.

Papa- oder Mamazeit der Babyaufnahmekapazität anpassen

Eine der Hauptursachen aus Sicht vieler Experten ist die Reizempfindlichkeit von Schreibabys. Sorge dafür, dass die täglichen Reize auf ein Mindestmaß begrenzt werden. Eventuell sollte auch der abendliche Kontakt zum arbeitenden Elternteil in die Morgenstunden verlegt werden. Die Aufnahmekapazität ist bei Schreikindern und auch anderen Kindern bereits um 15 bis 16 Uhr erreicht. Kommt dann der Papa oder die Mama nach Hause und will sich noch mit dem Kleinen beschäftigen kann dies zu einer Reizüberflutung führen. Alternativ kann man die frühen Morgenstunden nutzen, wenn Babys Reizspeicher noch leer ist.

Wenn nichts mehr hilft

Ein schreiendes Baby, ob es nun tatsächlich um ein Schreibaby handelt oder um ein Baby das aus wechselnden Gründen schreit, kann sehr belastend sein. Wenn man so ziemlich alles probiert hat und selbst nicht mehr weiter weiß sollte man nicht davor zurückscheuen professionelle Hilfe zu Rat zu ziehen.

Professionelle Hilfe findet man bei

  • Hebammen
  • Kinderärzten
  • Schrei-Ambulanzen
  • Eltern-Kind-Beratungsstellen

Hier können zum einen nicht erkannte Ursachen geklärt und ausgeschlossen werden und mögliche Therapien oder Linderungsmethoden erfragt werden.

Bei eigener Überlastung

Sind die eigenen Grenzen erreicht und man spürt innerlich eine Wut und den Wunsch nach Ruhe, so ist der beste Rat: Rausgehen! Ein impulsives, wütendes Schütteln schadet dem Kind definitiv mehr, als es kurz auf seiner Decke oder im Bettchen schreien zu lassen und den Raum zur eigenen Beruhigung zu verlassen. Manchmal hilft das schon sogar sehr, da sich auch die eigene Unruhe auf das Kind übertragen kann.

Gönnt Euch oder Eurer Partnerin und auch dem Kind, wenn möglich regelmäßig eine Pause. Wechselt Euch ab oder fragt nahe Verwandte oder Freunde nach Unterstützung.

Verwandte Themen

Hilfe, ein Schreibaby! Wann wird es besser? Die Schreiphase bei Schreibabys dauert in der Regel bis zum vierten, spätestens sechsten Lebensmonat. In Einzelfällen kann es noch länger andauern, man sollte dann aber zur Klärung Expertenrat einholen.

Gibt es bei Schreibabys Spätfolgen? Experten schließen langfristige Folgen weitestgehend aus. Wichtig ist, dass man keine anderweitige Ursache übersieht, die dann gegebenenfalls wiederum eigene Folgen haben kann (bspw. Mittelohrentzündung),

Kann man einem Schreibaby vorbeugen? Da die Ursachen vielfältig sind und nicht eindeutig einzugrenzen, ist eine Vorbeugung schwierig. Mögliche Ursachen im Vorfeld auszuschließen kann erfolgreich sein, muss es aber nicht. Man kann sich daher meist nur auf Maßnahmen zur Linderung beschränken.

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