Mit einem halben Jahr werden Babys zunehmend mobiler. Manche beginnen zu sitzen oder ziehen sich hoch und andere krabbeln wie die Weltmeister. Als Vater stellt man sich dann oft die Frage: kann man die Mobilität unterstützen? Sind bspw. Lauflernhilfen sinnvoll?

Sind Lauflernhilfen sinnvoll? Kinderärzte und Orthopäden sind sich einig, Lauflernhilfen für Babys sind nicht sinnvoll. Sie sind sogar vielmehr gefährlich. Lauflernhilfen beinhalten durch ihre Geschwindigkeit und damit verbundenen Stürze ein erhebliches Unfallrisiko. Zudem fördern Lauflernhilfen eben nicht die motorische Entwicklung von Babys, sondern beeinflussen diese sogar negativ. Tests der Stiftung Warentest im Jahr 1997 sowie 2011 führten zum gleichen Ergebnis. Beide Tests raten vom Kauf ab und betrachten Lauflernhilfen als nicht sinnvoll.

Dennoch kaufen immer wieder Eltern Lauflernhilfen verschiedener Hersteller. Warum dies im einzelnen nicht sinnvoll ist? Welche Schritte Eltern wirklich unternehmen können, um ihre Babys zu fördern? Darum geht es im weiteren Verlauf dieses Artikels.

Warum Lauflernhilfen nicht sinnvoll sind

Eltern wollen ihre Kinder auf ihrem Weg ins Leben unterstützen. Folglich sind wir daher alle anfällig für Ratschläge, Tipps und eben auch Hilfsmittel, mit denen das besser geht. So versprechen sich viele von Lauflernhilfen, den schnelleren Schritt in das selbständige Laufen.

Was sind Lauflernhilfen?

Während es von unterschiedlichen Herstellern die verschiedensten Ausführungen gibt, lässt sich im Grunde ein gemeinsames Konzept festhalten:

Es gibt immer ein Gestell, in das das Baby aufrecht – halb stehend, halb sitzend – hineingesetzt wird. Unter dem Gestell gibt es um das Baby herum Räder, mit denen es sich durch Bewegung der Füße fortbewegen kann.

Was bewirken Lauflernhilfen und warum sind sie bei manchen Eltern so beliebt?

Die agilen Kleinen gewinnen auf den ersten Blick eine zusätzliche, neue Bewegungsfreiheit. Einmal in den Sitz gesetzt und das Konzept verstanden, schon werden sie recht mobil und können sich fast eigenständig im Raum bewegen. Mama und Papa können dann schnell uninteressant sein, weil man zum Fortkommen deren Hilfe erstmal nicht mehr benötigt. Das Kind ist glücklich und beschäftigt, wodurch die Eltern auch mal für andere Dinge Zeit haben. Eigentlich der perfekte Familienspaß.

Genau deswegen sind Lauflernhilfen auch bei Eltern so beliebt. Wenn es doch dem Kind Spaß macht, die eigene und die Freiheit der Eltern fördert und man obendrauf dadurch noch Laufen lernt, ist doch alles super, oder?

Warum Lauflernhilfen dennoch nicht sinnvoll sind

Leider trügt der schöne Schein und die Vorteile der Lauflernhilfen sind nur auf den ersten Blick vorhanden. Denn tatsächlich raten sowohl Kinderärzte als auch Orthopäden von der Verwendung von Lauflernhilfen ab. Das hat bei diesen Experten vornehmlich gesundheitliche Gründe.

Aus der Sicht von Ärzten

Anders als der Begriff Lauflernhilfe suggeriert, hilft eine Lauflernhilfe eben nicht beim Laufen Lernen. Die betreffende Zielgruppe der Babys zwischen sechs und fünfzehn Monaten ist in der Regel motorisch noch nicht so weit entwickelt, um selbst stehen und gehen zu können. Wie beim Sitzen benötigen Babys eine gut ausgebildete Muskulatur in Nacken, Bauch und Rücken, um sich aufrecht halten zu können. Eine Lauflernhilfe fördert eben nicht diese Entwicklung, sondern stützt einen nicht ausreichend ausgebildeten Körper künstlich. Schlimmer noch, während ein Kind ohne eine solche Stütze die fehlende Muskulatur trainiert und langsam ausbildet, verhindert eine Lauflernhilfe diesen natürlichen Prozess, anstatt ihn zu fördern.

Neben dem Ausbleiben der Muskulatur Entwicklung, wird der kleine, noch nicht reife Körper in eine Haltung gebracht, die zu Fehlbelastungen von Wirbelsäule und Gelenken führen kann. Natürlich passiert das nicht durch fünf Minuten im Sitz, aber da die selbständige Bewegung und Unabhängigkeit des Babys so praktisch ist, wird es in der Tendenz eher mehr als weniger Zeit darin verbringen.

Untersuchungen an Zwillingen zeigten zudem, dass sich das Kind, welches die Lauflernhilfe nutze, mehr auf diese verließ und letztlich sogar später Laufen lernte als das Geschwisterkind.

Expertenansichten, Tests und Erfahrungen

Neben den rein physischen und gesundheitlichen Aspekten der Kindesentwicklungen gibt auch noch weitere Punkte, warum in der Regel von der Nutzung von Lauflernhilfen abgeraten wird.

Unter anderem hat die Stiftung Warentest in ihren Tests folgende Punkte herausgestellt:

  • Geschwindigkeit – Babys in Lauflernhilfen können sich flott fortbewegen. Das ist zwar schön anzuschauen, aber zum Teil auch überraschend für alle beteiligten. Sowohl Kinder als auch Eltern unterschätzen die Geschwindigkeit. So können Zusammenstöße und Situationen entstehen, die unter normalen Umständen gar nicht erst entstehen.
  • Stürze – neben dem einfachen Umfallen durch Hängenbleiben, kann es zu gravierenden Stürzen bspw. an Treppen oder Absätzen kommen. Oft sind diese aufgrund des bisher immobilen Babys noch nicht ausreichend gesichert oder die Eltern haben die neue gewonnene Reichweite in Kombination mit der Geschwindigkeit nicht im Blick.
  • Aktionsradius – ein zusätzliches Risiko stellt die gewünschte aufrechte Position des Kleinen dar. Waren die Hände vorher noch in Bodennähe und mit dem Abstützen des Körpers beschäftigt, so entfalten sie nun ihre Greiffunktion. Die Folge kann sein, dass bspw. Töpfe vom Herd oder Tisch heruntergezogen werden oder an einem Lampenkabel die Lampe von der Kommode heruntergerissen wird. Verletzungen können hier die Folge sein.

Unabhängig davon, verweist auch bspw. die Stiftung Warentest auf die Risiken hinsichtlich der körperlichen Entwicklung hin. Auch sie bezieht sich auf die Zwillingsforschung und weist insbesondere noch darauf hin, dass gerade auch entwicklungsgestörte Kinder durch die Nutzung noch stärker zurückfallen können

Gibt es Alternativen mit denen Eltern ihren Kindern beim Laufen lernen helfen können?

Neben der in diesem Artikel behandelten Lauflernhilfe, gibt es auch noch eine große Zahl von sogenannten Lauflernwagen. Ob aus Holz oder aus Plastik, das Prinzip ist dabei immer das gleiche:

Wie ein Rollator oder ein Kinderwagen wird ein kleiner Wagen vor sich hergeschoben. Das Kind kann sich daran festhalten und stützen.

Allerdings gibt es auch bei dieser Variante ein Problem, nämlich dass ein Kind dafür bereits auf eine gewisse Art laufen können muss. Es reicht dabei aber nicht aus ganz am Anfang des Laufens zu sein, da mithilfe dieser Wagen kein richtiges Laufen gelernt werden kann. Kann ein Kind sich noch nicht selbst aufrecht halten, so wird es nach vorn gebeugt am Wagen hängen und sich eine für das eigentliche Laufen völlig falsche Körperhaltung angewöhnen.

Fazit: Als Ergänzung zum schnellen Laufen und Spielen, wenn die Grundlagen bereits vorhanden sind, ist ein Lauflernwagen gut. Er ist nicht zum eigentlichen Laufen lernen geeignet.

Zeit und Geduld – die besten Hilfsmittel

Anstelle von Geräten zur Unterstützung, sollte das Laufen mit viel Zeit und Geduld selbst erlernt werden. Dem Kind die Möglichkeit geben sich in einer sicheren Umgebung auszuprobieren und es dabei zu unterstützen und zu ermutigen, bringt noch die besten und schnellsten Erfolge.

Ein kleiner Stuhl oder Hocker auf dem Teppich zum Hochziehen. Der Lieblingsteddy oder das Lieblingsspielzeug als Anreiz und ehe man sich versieht, sind die ersten zaghaften Schritte gemacht.

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