Wenn man Eltern wird, erweitert sich auch der Blick auf die Welt. Man beginnt gezielt andere Kinder und deren Eltern wahrzunehmen und erkennt auch unterschiedliche Elterntypen immer wieder. Während man sich manchmal mit einem Lächeln Positives abschaut, gibt es auch häufig Momente, in denen man denkt „Nee! So machen wir das nicht!“. Spätestens wenn das Kind dann da ist und nach einiger Zeit die Spielplätze dieser Welt unsicher macht, ist man dann mit ihnen persönlich konfrontiert: andere Eltern.

Welche Elterntypen gibt es?

Aus der eigenen Erfahrung aus drei Jahren Spielplatz und KiTa, sowie vielen gesammelten Fremderfahrungen, habe ich hier eine Liste von diversen Elterntypen zusammengestellt, die jeder kennt. Die Grenzen hierbei verwischen natürlich ein wenig. Das heißt Eltern können mehreren Typen gleichzeitig angehören und sogar die Typen im Zeitverlauf wechseln. Viel Spaß beim Stöbern und Wiederfinden.

Die Hipster-Eltern

Wollen ultra-lässig sein und sind innerlich dennoch total gestresst. Wie beim restlichen Lifestyle rennen sie auch beim Elternsein jedem Trend hinterher, um möglichst individuell zu sein. Ob bei der Namenswahl, dem Familienmodell oder der Ernährung, sobald sich ein neuer Trend am Horizont zeigt, wird dieser gnadenlos und dogmatisch gejagt. Anders und cool sein ist Programm und Lebensinhalt, führt aber aufgrund der Trendsteuerung dazu, dass es inzwischen einer der stärksten uniformen Elterntypen ist. Väter erkennt man hier meist an der Kombination aus Vollbart, Basecap, hautengen Jeans und Skater-Shirt (auch im Winter). Muttis sind schwerer zu identifizieren, da sich die gejagten Trends hier wesentlich schneller ändern. Die Kinder heißen meist Aton, Oskar oder Theresa-Marie, und werden in der Regel auf dem Longboard transportiert.

Die Experten

Werden im Volksmund auch oft als Besserwisser oder Klugscheißer bezeichnet. Dieser Elterntyp zeichnet sich durch die perfide Taktik aus, seine Opfer (andere Eltern) zunächst mit harmlos anmutenden Fragen in Sicherheit zu wiegen. Unverfängliche Fragen, „Was für einen Brei fütterst Du?“, „Wie schläft der/die Kleine?“, werden genutzt um im nächsten Schritt, das gegenüber mit dem eigenen Expertenwissen zu überrollen. Danach weiß man dann, was man alles falsch macht – nämlich alles – und wie man es bessre macht – genauso wie sie.

Die Influencer

Wer die Welt auch schon vor dem Elternsein mit den eigenen geistigen Ergüssen oder einmaligen Erlebnissen via Facebook, Instagram und Co. beglückt hat, für den erschließt sich mit der Geburt des eigenen Kindes eine unerschöpflicher Quell an Posting-Möglichkeiten. Egal ob es der erste Schritt oder die erste Windelfüllung sind, die Öffentlichkeit hat ein Informationsbedürfnis und das wird gestillt. Wenn dann die eigenen Posts nicht mehr reichen, werden die eigene und fremde Timelines mit sämtlichen eltern- und kinderrelevanten Artikeln geflutet, die sich finden lassen – Hauptsache es wird fleißig geliked.

Die Workaholics

Nicht die Kinder, der Beruf steht an erster Stelle für sie. Elterngespräche über Kinder langweilen sie. Sie trumpfen lieber mit ihren beruflichen Leistungen auf und belächeln Menschen mit anderen Lebensinhalten und ohne Karriereziele. Der Hauptgrund für das Elternsein liegt für sie in dem Erfolg, bewiesen zu haben, dass es doch geht: Karriere und Kind. Workaholics-Muttis erkennt man ganz leicht an der 60-Prozent-Teilzeitstelle, die sie mit Inbrunst zu 140 Prozent erfüllt. Workaholic-Dads erkennt man in der Regel an deren Abwesenheit oder dem späten Auftauchen auf Kinderveranstaltungen, für das dann eine entsprechende Würdigung erwartet wird.

Mami & Daddy Cool

Dieser Elterntyp ist verwandt mit den Hipstern, allerdings ohne die entsprechende Stilsicherheit. Während Hipster noch trendbewusst sind und daher zumindest äußerlich eine gewisse Form wahren und sich treu bleiben, bleibt es bei Mami & Daddy Cool beim Versuch. Auch sie versuchen jeden Trend, versuchen durch Coolness zu beeindrucken und wollen zeigen, dass eigentlich doch immer noch alles mit Kindern geht. Scheitern vorprogrammiert. Oft wird dann auch noch der Actionsport angefangen, den sie in ihren Zwanzigern so cool fanden. Kinder halten bekanntlich jung und es ist nie zu spät zum Scheitern.

Die Preußen

Gehorsam, Zucht und Ordnung sind hier die Leitdoktrin. Der Sproß hat vor allem eins, zu spuren. Strikte Regeln und Erziehungsziele sind das A und O. Danach folgt lange, lange nichts. Natürlicher Feind der Preußen sind die Laissez-Fairisten und eigentlich alle anderen Elterntypen, die Regeln und Ordnung nicht an oberster Stelle führen. Erstaunlicherweise findet man heutzutage den Elterntyp „Preußen“ vermehrt in Bayern, während sich die Gegenparteien fleißig in Berlin vermehrt ansiedeln.

Die Gesundheitsfanatiker

Die Gesundheitsfanatiker sind enge Verwandte der Experteneltern. Dieser Elterntyp zeichnet sich durch absolutes Nischenwissen im Bereich Gesundheit bei Kindern aus. Meist beschränkt sich das Wissen vornehmlich auf die gesundheitlichen oder schädlichen Eigenschaften von Nahrungsmitteln. Da nach gewisser Zeit auch der Wille des stärksten Kindes unter ihrem Dauerbeschuss von Lektionen oder Vorenthalten von Nahrungsmitteln gebrochen ist, weiten die Gesundheitsfanatiker gerne ihren Wirkungskreis auf andere Eltern aus. Einzige Abhilfen: Ignorieren, keine Süßigkeiten in deren Gegenwart anbieten oder das komplette Kontrastprogramm: dem Gesundheitsfanatikerkind einen Lutscher zustecken und in Deckung gehen.

Die Selbstmacher

Nur Selbstgemachtes ist das einzig Wahre. Diese Doktrin hält bei vielen in vollem Umfang mit den eigenen Kindern Einzug. Sämtliche einst gelernten Fähigkeiten, vom Häkeln übers Stricken bis zum Backen, werden nun wieder aktiviert und wenn möglich auf ein ganz neues Level angehoben. Der eigene Anspruch wird dabei nicht selten von der zu erzeugenden Bewunderung durch andere Eltern (vornehmlich Muttis) bestimmt. Damit in diesem Wettkampf jeder die gleichen Voraussetzungen hat, werden jegliche zugekaufte Leistungen verteufelt und als nicht regelkonform diskreditiert (Backmischungen jeglicher Art oder gar Tortenböden gehen gar nicht!). Gewonnen hat der, bei dem es am professionellsten ausschaut und gleichzeitig zu 100 % selbstgemacht ist.

Helikopter-Eltern

Helikopter-Eltern tun im Wesentlichen das was Helikopter tun, sie kreisen den ganzen Tag um ihre Kinder physisch und gedanklich. Das kann sich dann zum einen in übermäßiger Sorge ausdrücken oder auch in einer permanenten Kontrolle jeglicher Handlungen und Einflüsse rund um das Kind. Wie ein Helikopter in amerikanischen Verfolgungsjagden strebt dieser Elterntyp die volle Übersicht und Kontrolle über jegliche Bewegungen des Kindes an. Ähnlich einen Helikopter wird bei diversen Zwischenlandungen auf Spielplätzen, Kindergärten und Schulen massiv Staub aufgewirbelt. Leider erfreut sich dieser Elterntyp wachsender Beliebtheit bei der Typenwahl von Eltern.

Peter-Pan-Eltern

Eltern mit dem sogenannten Peter-Pan-Komplex haben ihre eigene Kindheitsphase nie wirklich abgeschlossen sondern maximal pausiert. Sie zeichnen sich in der Regel dadurch aus, dass sie noch vor dem ersten Kind im Sandkasten sind und diesen auch erst als letzten mit ähnlich kindlichem Bedauern verlassen. Nicht selten wird die eigene körperliche Befähigung zur Nutzung von Spielgerät überschätzt. Diverse gebrochene Trettroller und die zugehörigen Kinderherzen, sowie durchgebogene Kletterstangen auf Kinderspielplätzen zeugen davon.

Die Angeber

Dieser Elterntyp lässt keine Gelegenheit aus die Vorzüge und „Erfolge“ ihres Sprosses ausgiebig zu feiern und jedem ungefragt vorzutragen. Es ist dabei völlig unerheblich, ob tatsächlich objektive Erfolge vorhanden sind, oder man sich diese selbst generiert. Es muss nicht zwangsläufig eine gute Note oder die Torjägerkanone der F-Jugend sein, im Zweifel reicht schon ein drei Steine hoher Legoturm, um Jubelarien auszulösen.

Die Anarchos

Wenn man eines nicht sagen kann, dann dass dieser Elterntyp unpolitisch sei. Alles, auch der eigene Erziehungsstil, wird dem ideologischen Klassenkampf untergeordnet. Das einzige was hierbei keine Unterordnung erfährt, sind die eigenen Kinder. Jegliches flegelhafte Verhalten wird wahlweise ignoriert, weggelächelt oder als Ausdruck des Protest gegen das oppressive System interpretiert. Grenzen gibt es hier nur für andere, die es wagen den kleinen Che Guevaras solche aufzuzeigen. Das Kind kennt hierbei schon selbst seine Grenzen ganz gut: es gibt keine!

Die Verblendeten

Realitätsverweigerung ist bei den Verblendeten Programm. Egal was passiert, das eigene Kind ist vor allem eines: ein Unschuldslamm. Schuld sind auch jeden Fall immer die anderen. Großes Unverständnis ist logischerweise die Folge, wenn andere die bedingungslose Liebe und rosarote Sicht auf das Kind nicht teilen, sondern es im Zweifel so sehen wie es tatsächlich ist.

Best-Friends-Forever

Hauptziel dieses Elterntyps war es nicht ein Kind zu bekommen, sondern einen ewigen, besten Freund oder Freundin, der sie nie verlässt. Kind darf hier nicht Kind sein, sondern sollte sich möglichst schnell zum engagierten Gesprächspartner entwickeln, mit dem man vornehmlich das eigene Leben und Probleme teilen kann. Da hier ein Partnerersatz herangezogen wird, findet sich dieser Elterntyp unter Alleinerziehenden oder quasi Alleinerziehenden. Eine Abnabelung ist hier vor allem auf der Elternseite schmerzhaft.

Projektleiter

Projektleiter-Eltern sind meist selbiges auch schon im Berufsleben. Auch Berater oder angehörige der Wirtschaftswissenschaften gehören gerne zu diesem Elterntyp. Das Kind ist schon vor der Geburt ein Projekt, welches dementsprechend akribisch durchgeplant wird. Nichts soll dem Zufall überlassen werden. Selbst wenn noch kein Versuch stattgefunden hat, wird sich bereits in der Zeugungsphase mit den Möglichkeiten der optimalen Befruchtung auseinandergesetzt. Ist das Kind dann auf der Welt wird konsequent jegliche individuell unterschiedliche Entwicklungsmöglichkeit ignoriert und streng nach dem Ursache-Wirkungsprinzip verfahren, um einen möglichst optimalen Projektabschluss zu erzielen. Fördert Beschallung mit klassischer Musik die Musikalität laut Studie XY, dann wird das Kind entsprechend beschallt. Auch wenn Friedrich eigentlich lieber an einen Ball treten würde und Kevin heißen sollte.

Die Behüter (Glucken)

Behüter-Eltern sind den Helikopter-Eltern sehr nah. Der Unterschied liegt darin, dass sich Behüter nur auf einen Sektor beschränken: ihre Sorge und das unbändige Bedürfnis jeglichen Schaden von ihrem Kind fernzuhalten. Die meist genutzte Strategie hierzu ist die Vermeidung, dicht gefolgt vom Protektionismus. Entweder die Kinder dürfen nicht mal einen Bordstein hoch und runterhüpfen oder sie dürfen dies nur mit Vollkörperprotektoren, Helm und mobilen Turnmatten. Behüter stellen für andere seltener eine Gefahr da, außer sie identifizieren in ihrem Gegenüber, dessen Verhalten oder Wohnung, eine Gefahrenquelle für den Augenstern.

Die Perfektionisten

Die Sorte Eltern, die es eigentlich hätten wissen müssen. Ihr ganzes Leben, Alltag und Wohnung sind akribisch und perfektionistisch durchgeplant. Kein Krümel findet den Weg vom Tisch auf den Boden, Sofakissen sind nach Größen und Farben sortiert. Alles ist Perfekt und so soll es natürlich auch mit Kind weitergehen. Nur das ein Kind sich erstmal nicht um Perfektion schert, sondern erstmal Chaos, Entwicklung und ständige Veränderung bedeutet. Das „schönste“ Geschenk für perfektionistische Eltern ist eine mehrfarbige Packung Knete. Dieser Moment, wenn Perfektionisten-Eltern braune Knetklumpen wieder in ihre Ursprungsfarben sortieren wollen – unbezahlbar.

Die Pädagogen

Mit der Ankunft des Kindes in der Familie sind sämtliche nicht pädagogisch wertvollen Gegenstände in der Wohnung Geschichte. Kinderlose Kumpel dieses Elterntyps können sich zeitnah um die Geburt über Geschenke wie eine Playstation oder XBox freuen. Dieser Elterntyp verschlingt immer die neuesten pädagogischen Fachartikel und kann diese im Schlaf rezitieren. Kinder dieser Eltern können sich immer sicher sein nach den neuest, gern auch experimentellen pädagogischen Standards erzogen zu werden. Diesem Elterntyp kann man nichts vormachen. Was nicht in einer wissenschaftlichen Studie erforscht wurde, ist auch keine adäquates Erziehungselement. Wer Expertenrat sucht, wird hier fündig. Entsprechend gerne umgibt er sich mit anderen Wissenden, wie den Experten, oder den Unwissenden, den Unsicheren.

Die Fordernden

Bedingungslose Liebe gibt es hier nicht. Wenn aber das Kind Erwartungen erfüllt oder übertrifft, dann sind ihm Liebe und Stolz im Übermaß gewiss. Während überbehütende Eltern eher den einfacheren Weg für das Kind suchen und fordern, ist dies für den Fordernden eher ein Zeichen von Schwäche und mangelnder Einstellung. Kommen drei Einsen in Folge, kann dieser Elterntyp beim Elterngespräch schon eher mal die Frage nach der Unterforderung des Sprosses aufwerfen.

Balu-Eltern

Aufregung und Hektik sind diesem Elterntyp fremd. „Versuch’s mal mit Gemütlichkeit“ ist hier Lebens- und Erziehungsmotto. Wenn das Kind die Grundschule in sechs anstatt in vier Jahren bewältigt, dann ist das eben so. Tiefenentspannt wird weder gedrückt noch gebremst. Ein eher passiver Elterntyp, der sich weder in der eigenen noch in fremden Erziehungen nennenswert engagiert.

Die Chill-mal-Eltern

Streit und Konflikte sind diesem Elterntyp zu wider. Am wohlsten fühlt er sich, wenn alle relaxed und gechillt miteinander umgehen. Für Kinder einer der dankbarsten Elterntypen: kleine wohl dosierte Ausraster, bescheren hier weitreichende Freiheiten, Zugeständnisse und Geschenke. Nur um des lieben Frieden willens.

Ehrgeiz-Eltern

Ehrgeiz sehen in ihren Kindern die Chance, eigene verpasste Ziele zu erreichen. In Deutschland ist dies meist der Bundesligaspieler, dicht gefolgt von der Ballerina oder Musical-Sängerin. Diese Eltern erwarten Selbstverwirklichung durch ihre Kinder, weshalb Kritik an diesen auch immer als Kritik an ihnen selbst verstanden wird. Niederlagen der Kinder sind die eigenen Niederlagen. Ein sehr anstrengender Elterntyp.r

Bildungsfanatiker

Bildung ist ein wichtiger Teil der Entwicklung eines Kindes, keine Frage. Für Bildungsfanatiker ist allerdings Bildung Sinn und Zweck. Von frühstem Kindesalter wird an der Bildung des Kindes gefeilt und optimiert. Die Basis für Zweisprachigkeit soll mit dem Erlernen der ersten Sprache bestenfalls schon gelegt werden. Sieht der begeisterte Dreijährige ein Müllauto, soll es beim nächsten Mal möglichst auch die Hydraulikfunktionen der Hebearme verstanden haben und mit Lego-Technik nachbauen können.

Anti-Neuzeit-Eltern

Ob alle Anti-Neuzeit-Eltern schon so vor Geburt ihres Kindes waren, lässt sich von außen schlecht feststellen. Auf jeden Fall gibt es immer Eltern, die mit der Geburt und dem Aufwachsen der eigenen Kinder eine völlig neue Welt entdecken, die es dann zu bekämpfen gilt. Die Rede ist dabei nicht von der Unordnung im Kinderzimmer oder gar Plastikspielzeug. Nein, vorrangig Internet, Social Media, Smartphones und eigentlich alle sonstigen technischen Neuheiten können hier als Bedrohung erstmals oder jetzt erst richtig wahrgenommen werden. Muttis machen sich dann erstmals Sorgen um die Strahlungsintensität eines Babyfones und dessen Auswirkungen auf das Kind. Das Internet bietet hier willkommene Hilfe zur Recherche, um es im nächsten Moment zu verteufeln, weil es alles für die Kinder und die Welt in der sie aufwachsen nur schlechter macht. Dementsprechend sollen Kinder auch möglichst wenig mit Technik in Berührung kommen und auch Mama und Papa am besten gar nicht im Umgang damit sehen. Gut zu erkennen ist dieser Elterntyp, wenn er sich gemeinsam mit den Rauchereltern heimlich und außerhalb der Sichtweite seiner Kinder seiner Sucht hingibt und dann doch einmal am Tag seine Nachrichten checkt.

Retro-Eltern

Vom Kautschuk-Knüppel-Schnuller, über die Leinenwindeln bis zum 50er-Jahre-Retro-Kinderwagen, Elternsein ist hier auch vornehmlich Lifestyle. Neben der Nutzung von Retro-Produkten werden gerne auch alte Erziehungsformen und Familienmodelle oder zumindest deren romantisierten Varianten voll ausgelebt.

Sakrotan-Abo-Eltern

Für Sakrotan-Abo-Eltern gibt es eines nicht genug auf der Welt: Desinfektionsmittel. Neben so ziemlich jedem Lichtschalter in der Wohnung findet sich hier entweder ein Sakrotanfläschchen oder zumindest Desinfektionstücher. Fällt ein Schnuller oder Spielzeug auf den Boden, so muss es umgehend und klinisch steril gesäubert werden, damit auch ja keine Keime dem Kind zu nahe kommen. Da man sich blöderweise auch nicht immer zu Hause einigeln kann, gibt es für diesen Elterntyp praktische Reisefläschchen für unterwegs.

Esoterikeltern

Diese Eltern nenne ihre Kinder gern Shakti oder Cosma und richten das Kinderzimmer nach Energieströmen aus. Stille, innere Einkehr und Meditations sind hier Programm. Diese harmloseren Ausprägungen werden leider nur oft mit neuen oder auch alten Trends kombiniert, für die dieser Elterntyp äußert anfällig ist. So finden sich hier nicht selten auch Anhänger der windelfreien Methode, bei der eine stete Beobachtung des Kindes genutzt wird, um zu erkennen, wann man es besser schnell über die mitgeführte Tupperschüssel halten sollte.

Die Anspruchsvollen

Das Beste ist gerade gut genug. Mit dem Kind hat dieser Satz für die Anspruchsvollen noch mehr Gewicht erlangt. Konnte man bei sich selbst in der ein oder anderen Situation noch Mäßigung argumentieren, so ist dies beim Kind schlicht unmöglich. Schließlich hört man es ja immer wieder, „das sollte einem sein Kind schon wert sein“. Von der mehrsprachigen Kita bis hin zum lederbezogenen Buggy mit Sitzheizung, es gibt nichts was sich nicht noch steigern ließe. Dabei beschränkt sich dieser Elterntyp nicht nur auf Gutverdiener, für das Kindeswohl sollte ein Dispo schließlich kein Hindernis darstellen und wozu gibt es schließlich Opa und Oma?

Die Klammeraffen

Ähnlich wie die Helikoptereltern können Klammeraffen nicht loslassen. Während allerdings Helikoptereltern in gewissen Situationen noch eine gewisse Distanz waren (wenn auch zähneknirschend), so verursacht es dem Klammeraffen fast schon körperliche Schmerzen, dem Kind Freiräume zu lassen. Dieses Verhalten beschränkt sich nicht nur auf den Spielplatz, sondern jegliche andere Lebenssituation. Ähnlich wie Bestfriends-Eltern wollen Klammeraffen am liebsten ein Leben in Symbiose führen und beim ersten Disco-Ausflug mit auf die Tanzfläche. Der Unterschied zu Bestfriends-Eltern ist im Wesentlichen der Betrachtungswinkel: Bestfriends sehen ihre Kinder als Partner auf Augenhöhe, wohingegen bei Klammeraffen der Behüter- und Gluckenfaktor überwiegt.

Die Pedanten

Sie sind die Überkorrekten unter den Elterntypen. Egal in welchem Bereich sie sich auf ein spezifische Vorgehensweise festgelegt haben, sie ziehen es durch. Situative Ausnahmen sind was für inkonsequente, schwache Eltern. Das Kind soll früh ein korrektes Handeln erlernen. Wird im Zorn das Schäufelchen geschmissen, dann muss sich auch der kleine 12 Monate alte Anton formell entschuldigen. Ordnung muss sein!

Die Unsicheren

Die perfekten Opfer für diverse andere hier beschriebene Elterntypen. Elternsein ist für sie nur mit Fragezeichen verbunden. An jeder Ecke warten Herausforderungen auf die sie keine Antwort haben oder sich nicht sicher sind, ob ihre Antwort richtig ist. Sie bevölkern daher als Poweruser sämtliche Elternforen, haben sämtliche Zeitschriften zum Thema abbonniert und alle Bücher im Regal. Blöderweise widersprechen sich die meisten Informationen, was dann nur zu noch mehr Verunsicherung führt. Viele Unsichere suchen einen Mentor oder Gralshüter, der sie in die absolute Weisheit des Elternseins einführt. Haben sie diesen gefunden, kann dieser Elterntyp sich um 180 Grad zu einem dogmatischen Experten wandeln, der von da an missionierend von Spielplatz zu Spielplatz zieht.

Niedlichkeits-Fetischisten

Für Niedlichkeits-Fetischisten ist nichts zu pink oder flauschig oder kitschig. Sie sind der perfekte Konsument und kaufen alles, in dem das eigene Kind noch einen Tick niedlicher aussieht (zumindest in ihren Augen). Jungs bleiben hier meist weitgehend verschont, während Mädchen gerne in das zwanzigste Prinzessinnenkleidchen gezwängt werden, der Kopf mit Glitzerklämmerchen und Haarreifen vollgepackt wird und glitzernde Ballerinas das Spielplatzoutfit abrunden. Aber auch Jungs kommen nicht um die ein oder andere niedliche Hosenträger-Leinen-Hose rum, garniert mit einem praktischen Knopfhemdchen. Hier zeigen sich die wahren Puppen-Mamas und Papas.

Die Veganer

Früher eine Modeerscheinung erfreut sich dieser Elterntyp heute wachsender Beliebtheit. Allerdings wird oft auch erst die Geburt des eigenen Kindes als Volleinstieg in die Veganerwelt genutzt. Leider driftet der oft gut gemeinte Ansatz schnell ins extrem ab, sodass sich mit diesem Elterntyp stets intensive, dogmatisch geprägte Diskussionen ergeben können. Die Grundregel lautet hierbei, jeder sollte sein eigenes Süppchen kochen dürfen und nicht die der anderen versalzen. Mitunter entsteht hier auch immer wieder ein Zwiespalt zwischen dem Bedürfnis des Kindes und dem Willen der Eltern. Diese Konflikte verorten Veganer-Eltern aber gern auf die böse Außenwelt, die diese Konflikte in die intakte familieninterne Harmonie hineinträgt wie bspw. die unverschämte Wurstthekendame mit ihrer Gelbwurst. Das macht diesen Elterntyp teils sehr anstrengend.

Die Demokraten

Demokraten setzten voll und ganz auf Mitbestimmung. Das Kind darf und soll alles mitentscheiden können. Leider geht das Demokratieverständnis dieses Elterntyps nicht weit genug, um zu erkennen, dass sie faktisch in einer Diktatur oder Monarchie leben. Denn faktisch sind die gemeinsam getroffenen Entscheidungen in der Regel deckungsgleich mit der ursprünglichen Ausgangsposition des Kindes. Bestenfalls handelt es sich hierbei um eine Demokratie mit einseitigem Veto-Recht, welches beim Kind liegt. Die Mehrheit (meist bestehend aus den Eltern) hat hier anders als in der Demokratie selten das Sagen. Demokratisch geht es hier nur zu, wenn man das Kind als Volk (Demos) definiert. In diesem Fall ist die Bezeichnung korrekt: Volkes Wille regiert.

Laissez-Fairisten

Regeln und Grenzen sind für andere Kinder gemacht, nicht für die Kinder von Laissez-Fairisten. Für die normale Entwicklung eines Kindes ist es nach Ansicht dieses Elterntyps notwendig, dass das Kind seine Grenzen und Regeln selbst findet und bestimmt. Regeln und Verbote werden abgelehnt. Laissez-Fairisten sind Anarcho-Klone ohne die zugehörige politische Ideologie.

Super-Eltern

Diesen Elterntyp kennen die wenigsten. Zum einen, weil man es anderen nur selten zugesteht, dass sie einzigartig und toll zugleich sind, zum andern sind sie wie Einhörner: sie existieren in der Realität nicht. Dieser Elterntyp macht einfach für alle, alles richtig. Die Kinder erhalten genau den richtigen Freiraum zur Entfaltung und den richtigen Rahmen zur Entwicklung. Alles läuft in gegenseitigem Respekt und tiefster Verbundenheit. Insgeheim streben alle Elterntypen nach diesem höchsten Status, mit Ausnahme vielleicht der Arnacho-Eltern, da das denen wieder zu Systemkonform daher kommt.




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